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Die 8 Stufen des Yogawegs nach Patanjali

1. Yamas – Verhaltenskodex zur Selbstkontrolle

Ahimsa (Nicht-Gewalt)
Unter Ahimsa versteht man Gewaltlosigkeit aber auch Freundlichkeit, Zugewandtheit und Rücksichtnahme – einen wohlüberlegten Umgang mit allen Lebewesen und mit sich selbst. Ahimsa soll in Gedanken, Worten und Taten praktiziert werden. Das bedeutet auch, nicht negativ über jemanden zu sprechen oder zu denken.

Satya (Wahrhaftigkeit, Wahrheit)
Gemeint ist, in Worten, Taten und Gedanken wahrhaftig zu sein und stets die Wahrheit zu sagen. Wahrhaftig sein bedeutet auch, sich nicht selbst zu belügen, sich selbst auch unangenehme Dinge einzugestehen. Satya bedeutet, zu bedenken, was wir sagen, wie wir es sagen und auf welche Weise es jemanden treffen kann. Ein bewusster Umgang mit Worten bedeutet auch, dass es manchmal besser ist, zu schweigen.

Asteya (Nicht nehmen, was einem nicht gehört)
Dieses bezieht sich nicht nur auf materielle Dinge, sondern zum Beispiel auch auf geistiges Eigentum: man soll sich nicht mit „fremden Federn schmücken“. Es bedeutet auch, wenn jemand einem etwas anvertraut (Dinge oder Gedanken), diesen Menschen nicht zu enttäuschen.

Brahmacharya (Bewegung auf das Wesentliche hin)
Meistens ist hiermit gemeint, dass man sein Leben und seine Beziehungen zu Menschen und Dingen so gestaltet, dass einer allgemein (universell) förderlich sind. Sinnliche Vergnügungen werden hier nicht untersagt, man sollten nur darauf achten, sich nicht in ihnen verliert, sich nicht durch sie beherrschen lässt und dabei die Richtung verlieren.

Aparigraha (Nehmen, was angemessen ist)
Aparigraha bedeutet im Sanskrit Nicht-Zugreifen. Gemeint ist, immer nur das anzunehmen, was angemessen ist, keine vermeintlich „günstigen“ Gelegenheiten auszunutzen und nicht auszunutzen. Auch bei der Annahme von Belohnungen und Geschenken soll man sich zurückhalten, wenn durch Geschenke Verpflichtungen und Bindungen entstehen.

2. Niyamas – Verhaltenskodex zur Einschränkung

Shauca (Sauberkeit, Reinheit)
Äußerlich ist schlicht körperliche Hygiene gemeint, innerlich geht es einerseits um die gesunde und von keinen Unreinheiten blockierte Funktion des Körpers, andererseits um die Klarheit des Geistes. Die asana (Yogahaltungen), das pranayama (Atemübung) und die kriyas (Reinigungsübungen) gelten als wesentliche Mittel zur Erlangung der inneren Reinheit.

Samtosha (Genügsamkeit, Bescheidenheit, Zufriedenheit)
Samtosha meint, anzunehmen, was sich ergeben hat, die Dinge so zu nehmen, wie sie eben sind. Anstatt über Misserfolge zu jammern, kann man sie auch annehmen und aus ihnen lernen. Samtosha meint auch, sich nicht mit anderen zu vergleichen.

Tapas (den Körper gesund und fit halten)
Disziplin und Ausdauer beim regelmäßigen Üben der Asanas und sich des „Abfalls“ im Körper durch „Verbrennung“ (Anfachung des inneren Feuers / Agni) zu entledigen. Dazu gehört auch Achtsamkeit gegenüber den Essgewohnheiten, worunter nicht nur z.B. Giftstoffe der Nahrung zu verstehen sind, sondern auch der ganze „Psychomüll“ der verdrängt wird und sich ansammelt.

Svadhyaya (Selbsterforschung, Reflexion)
Das eigene Denken und Handeln soll beobachtet und kritisch hinterfragt werden, um so insgesamt bewusster zu werden. Ein weiterer Aspekt von svadhyaya ist das „Studium der alten Texte“, denn gemäß der Lehre sollte man sich nicht immer um sich selbst drehen, sondern braucht Bezugspunkte. Das kann die Bibel sein, das Yoga-Sutra, die Bhagavad-Gita, die Veden und Upanishaden oder andere Überlieferungen und Texte mit spirituellem, philosophischem oder religiösem Hintergrund.

Ishvarapranidhana (Hinwendung zu dem Universellem, „Gottvertrauen“)
Es genügt, zu wissen, dass man sein Bestes getan hat. Den Rest kann man dann getrost in „Gottes“ Hände legen. Oft zweifeln Menschen, haben Ängste, fürchten sich vor der Zukunft. Ishvarapranidhana bedeutet, sich von Ängsten und Zweifeln zu befreien und einfach zu wissen, dass „Gott“ (das Leben, das Universum) es gut mit uns meint und den richtigen Weg weiß.

3. Asanas – Körperhaltungen

4. Pranajama – Atemübungen, Atemkontrolle

Bewusste Regulierung und Vertiefung des Atems durch Achtsamkeit und beständiges Üben. Da die Atmung Träger der Lebensenergie ist, beeinflusst eine fortdauernde Konzentration auf die Vorgänge der Atmung und bewusst ausgeführte Atemtechniken die Prozesse des Bewusstseins.

5. Pratyahara – Zurückziehen der Sinne

Es geht um die Disziplinierung der Sinne (wie Geschmack, Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und des Geistes durch ein Sich-nach-innen-richten).

Durch diese Internalisierung des Bewusstseins sollen Sinneseindrücke allgemein bewusster und kontrollierbarer werden. Es handelt sich aber nicht um eine Beschränkung der Sinne, im Gegenteil soll der Geist zur Wahrnehmung von Feinheiten geschult werden, die den Sinnen sonst verborgen blieben.

Auf fortgeschrittenem Niveau wird auch gelehrt, wie die Aktivität der unwillkürlichen Muskulatur beeinflusst werden kann.

6. Dharana – Konzentration

Der Übende richtet dabei seine Aufmerksamkeit auf einen Punkt im Körper, ein Mantra oder etwas Transzendentales wie die Leere, einen Gott oder einen seiner Aspekte. Steht am Anfang die Fokussierung auf ein bestimmtes Objekt (Subjekt-Objekt-Spaltung) im Vordergrund, so soll durch intensives Üben das reflektierende Denken zeitweise ausgeschaltet und so eine Ganzheitserfahrung möglich werden.

Im Gegensatz zur 7. Stufe, dem Dhyana (Meditation), ist Dharana mit willentlicher Anstrengung verbunden.

7. Dhyana – Meditation

Dhyana lässt sich als ein Erfahrungsakt der reinen Beobachtung beschreiben, bei der das menschliche Ego und seine Gedanken keine Rolle mehr spielen. Voraussetzung dafür ist, dass der Meditierende seine geistige Energie über lange Zeit fokussieren kann, ohne abgelenkt zu werden. Durch die Konzentration dieser Energie kommt es zum Erleben der Integration – die Person löst sich auf und der Zustand der Zeitlosigkeit und der kosmischen Verbundenheit durch Liebe wird erfahrbar.

8. Samadhi – Versenkung, Sammlung

Dies bezeichnet einen Bewusstseinszustand, der über Wachen, Träumen und Tiefschlaf hinausgeht und in dem das diskursive Denken aufhört. Es ist ein völliges Aufgehen in dem Objekt, über das meditiert wurde.

„Wenn (das Zur-Ruhe-Kommen [vritti-nirodha]) mit Hilfe von logischem Denken, prüfender Überlegung, Seligkeit oder Ichbewußtsein erlangt wird, führt es zu (verschiedenen Arten) der Versenkung (samadhi), die mit Erkenntnis verbunden ist (samprajnata).“